„Mein
Reich ist nicht von dieser Welt“ ( Jo 18,36)
Dieser
berühmte Satz aus dem Johannesevangelium, den Jesus vor Pilatus
spricht, mag Marcel durch den Kopf gegangen sein, als er, von seiner
Tod bringenden Krankheit gezeichnet, sein letztes Kinder- und
Erwachsenentheaterstück „Der
König ohne Reich“
schrieb, das die AGORA am 20.05.2010 in St. Vith uraufführen wird.
Marcels letzte begonnene Bühnenarbeit ist Anlass für unseren
Nachruf.
Marcel
liebte es, gerade auch religiöse Themen „gegen den Strich“ zu
lesen, um sie so zu einem Brennpunkt seiner Stücke werden zu lassen.
Jesu Satz zielt auf ein anderes
Reich, ein Reich der Phantasie, ein Reich der Geschwisterlichkeit,
vielleicht auch ein Reich des Jenseits, das Motte
und Wurm
nicht zerstören ( vgl. Mt 6,19). Wenn er mir beim Schreiben lebend
über die Schulter geschaut hätte, würde er wahrscheinlich
widersprechen und der Vergänglichkeit und Endlichkeit zu ihrem
letztlich schmerzhaften Recht verhelfen. Aus ihnen schöpfte er seine
Kraft, seine Phantasie und Kreativität, denn Theater ist die
vergänglichste aller Kunstformen, so vergänglich wie das Leben. -
Was er im Tod dazu sagen würde, können wir Lebenden nicht wissen,
so dass uns ein Zitat aus seinem Leben im Zusammenhang mit seinem
letzten Theaterstück genügen muss:
“Selbst
wenn man alles verliert, muss man sich auf den Weg machen und die
menschliche Wärme bei den anderen suchen. Wenn man mit ihnen in
Dialog tritt, merkt man, dass man nicht alleine ist, dass andere in
der selben Lage sind und dass man zusammen in Sicherheit ist für
eine Nacht, einen neuen Ort, sein Gepäck abzulegen, einen neuen
Beruf... und wer weiß, ein neues Reich. Um neue Dinge zu finden,
muss man erst andere verlieren.” (Marcel
Cremer in einem Interview mit Emile Lansman)
Uns
hat er in seinen Stücken und Theaterwerkstätten über viele Jahre
reich beschenkt und er hat uns viele neue Dinge finden lassen. Auch
wenn wir ihn jetzt verloren haben, bleiben uns seine Geschichten.
Für
den Vorstand und die Mitglieder des Landesverbandes
Eckhard
Debour